 Im heutigen Porträit möchte ich ihnen die Nationalpflanze Costa Ricas, Cattleya skinneri, vorstellen.
Zur Einleitung vielleicht einige Hinweise zur Bedeutung der Nationalsymbole des Landes. Neben der Flagge, dem Staatswappen und der Nationalhymne existieren vier weitere Nationalsymbole: die Nationalblüte, eben Cattleya skinneri, der Nationalbaum, Enterolobium ciclocarpum, eine Art aus dem Norden des Landes (seit 1959 Nationalsymbol), der Nationalvogel, Turdus grayi (seit 1977 Nationalsymbol), ein sehr unscheinbarer Vogel und das, obwohl es hier sehr viele bunte Vögel gibt, z.B. über 30 Arten von Kolibris, und das Symbol der Arbeit, die "carreta costarricense" (seit 1988 Nationalsymbol), eine Art buntbemalter Ochsenkarren, der früher in der Landwirtschaft eingesetzt wurde.
Man muss wissen, das diese Symbole den Menschen hier sehr wichtig sind, man ist sehr Stolz auf sie. Mich hat z.B. mein erster Unabhängigkeitstag, der 15. September sehr beeindruckt. Um 17:00 ruhen im gesamten Land alle Aktivitäten und man singt die Nationalhymne, egal wo man ist und was man gerade tut. Es ist nur schwer vostellbar, aber es halten beispielsweise alle Autos an, egal wo sie sind, und man singt auf offener Strasse die Hymne, in den Supermärkten werden einige Minuten vorher Blätter mit den Texten verteilt, man versammlt sich auf den Strassen und den Plätzen, alle Schulkinder sind mit ihren Schulen in den Städten und Dörfern verteilt und singen usw. Am 15. September um 17:00 geht in Costa Rica absolut nichts anderes als singen !
Für einen Deutschen/Europäer schwer vorstellbar, aber so ist es. Auch bei Schulveranstaltungen, Abschlussfeiern usw. wird zuerst die Fahne von einigen Schülern hereingetragen, dann das Wappen und anschliessend wird die Hymne gesungen, alles unter stiller Andacht und mit allem Respekt, das wird sehr ernst genommen.
Das muss man vorausschicken, um die Bedeutung der Cattleya skinneri für die Bevölkerung hier zumindestens im Ansatz zu verstehen. Cattleya skinneri wurde im Jahr 1939 zur Nationalblüte erklärt und war damit das erste Nationalsymbol neben den obligatorischen (Fahne, Hymne, Staatswappen). Fast alle Sammlungen enthalten diese Art, es gibt durchaus Orchideenliebhaber, die keine andere Orchidee kultivieren. Für die Cattleya skinneri oder Guaria morada, wie sie hier im Volksmund genannt wird, zahlt man zum Teil utopische Preise, ein schönes Exemplar kann durchaus 100 DM oder mehr kosten, für die meisten Menschen hier eine utopische Summe (durchschnittlicher Monatsverdienst nach den Statistiken rund 650 DM) . Exemplare der weissen Variante, Cattleya skinneri var. alba, erziehlen noch höhere Preise. Die meisten Pflanzen werden in den Gärten auf Bäume aufgebunden und so, selbst schon gesehen, unter Umständen von einer Generation an die nächste weitergegeben. Man zeigte mir Pflanzen, die schon mehr als 80 Jahre in Familienbesitz sein sollen (kann ich natürlich nicht nachprüfen, die Familie erscheint mir aber als glaubwürdig). Sehr beeindruckend auch die Farm in Palmaris, einem kleineren Ort in der Provinz Alajuela, die über die Grenzen hinaus für die Sammlung von Cattleya skinneri (und den Varianten) bekannt ist. Es pilgern viele im März, zur Hauptblütezeit der Art hier, zu dieser Farm, um die Pracht selbst zu sehen. Von dort stammen auch die Fotos. Ich habe nicht gezählt, aber es dürften einige Tausend erwachsener Pflanzen dort auf den Bäumen sein. Es gibt auch eine kleine Bewirtung durch die Familie, so das die Farm ein beliebtes Ausflugsziel ist.
Diese Verliebtheit der Costaricaner zu der Art (und die hohen Preise) hat leider dazu geführt, das Cattleya skinneri in Costa Rica in der freien Natur fast nicht mehr vorkommt (sie befindet sich im Anhang I der CITES und gehört damit zu den extrem vom aussteben gefährdeten Arten). So ist die Pflanze, die man am häufigsten sieht, auch eine der am bedrohtesten Arten. Es gibt nach meinen Informationen z. Zt. noch sieben Fundorte im Land, wo man Cattleya skinneri wildwachsend antreffen kann. Die meisten werden wie Schätze gehütet und nicht genannt, um eine Plünderung dieser letzten Refugien zu verhindern.
Cattleya skinneri kommt in den Ländern Mexiko, Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica vor. Also, mit Ausnahme von Panama, im gesamten Mittelamerika. Es handelt sich nicht um eine rein costaricanische Art, wie man aus der Bedeutung der Pflanze hier im Land schliessen könnte. Daher vertreten einge Liebhaber hier die Meinung, das Cattleya downia die bessere Nationalblüte gewesen wäre, sie hat eine grössere Blüte und kommt zwar auch in Panama und Kolumbien vor, dort aber in einer Farbvariante der Blüte, letztlich eine echte costaricanerin !

Pseudobulben:
Bifoliate, länglich etwas eingedrückt, 15-40 cm lang, 2.5-3.5 cm breit.
Blätter:
Zwei, elliptisch, fleischig-dicklich, 9-22 cm lang, 3.5-6 cm breit.
Blüten:
Blütenstiehl aus dem oberen Ende des Pseudobulbus, zwischen den Blättern, ein Blütenstiehl mit 4-15 Blüten, geschützt durch ein Schutzblatt von 5-10 cm Länge, das den sich entwicklenden Blütenstiehl umhüllt. Die einzelnen Blüten haben einen Durchmesser von 6,5 - 11 cm, eine intensive violette Farbe mit einen weissen Fleck in der Lippe, einen leichten, süsslichen Geruch.
Früchte:
Oval-länglich, ca. 4 - 5 cm lang.
Lebensweise in am Standort:
Epipytisch oder lithophytisch. Der größte Teil der Pflanzen findet man zwischen 1.000 und 1.400 m in eher heisseren Zonen. Sie wachsen aber auch in tieferen Regionen. Die Pflanzen blühen von Januar bis April mit einem ‚Hoch' im März, es können auch Blüten im Dezember oder Mai erscheinen.
Kultur:
Die Pflanzen vertragen keine pralle Sonne, können aber durchaus etwas sonnig stehen. Die Temperaturen am Standort liegen zwischen 16 (minimum nachts) und über 30 Grad (maximum tags). Es gibt eine ausgeprägte Trockenzeit, die für die Entwicklung von reichlichen Blüten wichtig ist. Die Pflanze kann aufgebunden oder in Töpfen kultiviert werden.
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