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Sie befinden sich hier: Home - Orchideen am Naturstandort - Orchideen Costa Ricas (Teil 4) - Lepanthes
   
Orchideen Costa Ricas
Ein Bericht von Walter Schug
Auf dieser Seite lesen Sie...
Die Gattungen Lepanthes...
... Lebensweise
... Kultur
...Bestäubung


Ich möchte heute die Gattungen Lepanthes Sw. näher vorstellen. Auf dem zweiten mesoamerikanischen Seminar für Orchideenkunde und Konservation, welches am 23. bis 26. Mai 2001hier in Costa Rica stattfand, stellte ein costaricanischer Botaniker, Mario Blanco, seine neueste Arbeit zur Bestäubung der Arten der Gattung Lepanthes Sw. vor. Bis zu diesem Zeitpunkt war ausser einigen Vermutungen nichts genaues über den Befruchtungsvorgang der Orchideen dieser Gattung bekannt. Es gab recht merkwürdige Vermutungen über die Insekten, die den Pollen übertragen, wie z.B. das es wohl Läuse sein müssten, die einmal von jemandem beobachtet wurden, wie sie über die Blüten krabbelten. Merkwürdig ist diese Vermutung schon deshalb, weil dieselben Läuse die Blätter ansaugen um den Pflanzensaft zu konsumieren. Warum sollte also eine Pflanze durch die eigene Blüte Schädlinge anlocken, die sie danach "auffressen” ?
An dieser Stelle möchte ich Ihnen, vor der Auflösung des Bestäubers, einen kurzen Überblick über die Gattung Lepanthes Sw. geben, da diese Pflanzen wahrscheinlich in Europa nur selten in den Sammlungen zu finden sein dürften. Die Gattung umfasst rund 700 bis 800 Arten und gehört zum Subtribe Pleurothallidinae. Das Verbreitungsgebiet liegt zwischen Südmexiko und Brasilien, mit Schwerpunkten in den Andenregionen Ecuadors und Perus sowie hier in Zentralamerika. Die Pflanzen finden sich überwiegend in höheren Lagen über 1.500 m in den Nebelwäldern. Für Costa Rica sind rund 60 Arten beschrieben, es finden sich aber noch einige Arten im botanischen Garten der Universität Costa Ricas, die noch zu veröffentlichen sind. Auch ich fand einige Arten, die nicht in das vorhanden Schema der Verteilung in Costa Rica passen und u.U. gute neue Arten sind. Die folgenden Daten beziehen sich auf die Arten in Costa Rica. Zu den südamerikanischen Arten liegt mir leider kein Material vor, so das diese Gruppe in dem Portrait nicht berücksichtigt werden.

Blätter:
Die Pflanzen sind im allgemeinen recht klein, die Blätter messen zwischen 5 mm (Lepanthes sp, Bild 2 oben) und 6 cm (L. horchii Luer, Bild 3 und 4 unten). Das folgende Foto zeigt ein Lepanthes eximia Ames, diese Art hat ausgesprochen schmale und längliche Blätter, das Blatt misst 2 bis 3 cm in der Länge und ist rund 0,5 cm breit, die Blüte ist klein, rund 3 bis 4 mm (Bild 5 und Bild 6 unten). Im Gegensatz dazu hat Lepanthes schizocardia (Bild 7 rechts) fast runde Blätter, Lepanthes lindleyana Oerst. & Rchb. f. bildet den Übergang zwischen den beiden extremen, die Blätter sind länglich (Bild 8, Blatt rechts oben, im Hintergrund vermutlich eine Stelis sp). Eine Sonderform stellt Lepanthes comet-halleyi Luer dar, die Blätter rollen sich zusammen (Bild 9).

 
 
 

 

Blüten:
Die Blüten können im Verhältnis zu den Blätter recht gross sein, in einzelnen Fällen erreichen sie die doppelte Größe der Blätter, messen aber nicht mehr als max. 1 cm, meistens wesentlich weniger (die kleinsten Arten haben die größten Blüten). Die Blüten kommen einzeln, meist aus der Basis des Blattes. Ein typisches Mermal der Blüten vieler (nicht aller) Arten ist, das sich mit der Zeit ein Muster wie eine Fischgräte bildet, da die abgestorbenen Blühten abfallen und an dem Blütenstiehl eine neue Blüte erscheint. Das ist sehr gut auf dem Foto von Lepanthes elata Rchb. f. (Bild 10) zu sehen. Die Blüte erscheint bei einigen Arten auch hinter dem Blatt. Man muss also die Blätter von Zeit zu Zeit umdrehen, um zu sehen, ob die Pflanze blüht oder nicht. Die Blüten erscheinen in den Farben gelb, orange und rot. Die Blüten erscheinen das ganze Jahr über.

   

Früchte

Kleine Kapseln wie in Bild 4 zu sehen.

Blattstiehl:

Der Blattstiehl bei Lepanthes ist mit mehr oder weniger ausgeprägten Ringen versehen, hier nochmals an Lepanthes elata Rchb. f. dargestellt (Bild 12).

Pseudobulben:

Lepanthes haben niemals Pseudobulben.

Lebensweise in am Standort:

Wie auf den Fotos erkennbar, wachsen die Pflanzen bevorzugt in Moospolstern auf den Stämmen alter Bäume. (Bild 5, Bild 9). Es werden hier eindeutig bestimmte Bäume bevorzugt, diese sind dann aber mit Lepanthes nur so übersäht. Ein Baum kann mehr als 100 Pflanzen verschiedener Arten beherbergen.

   
Kultur

Die Kultur leitet sich aus dem vorgenannten Bedingungen ab: Keine direkte Sonne, ständig feucht halten, am besten in Spaghnum. Dünger in einer Konzentration 14-14-14 wird gut vertragen. Kann in Plastiktöpfen oder mit Spaghnum auf Holz aufgebunden gehalten werden, letzeres erschient mir für Europa als nicht so gut geeignet wegen des Feuchtigkeitsbedarfes. Die Temperaturbedingungen am Standort betragen in der Nacht zwischen 8 und 17 Grad (min.), die Tagesmaxima liegen zwischen 18 und 27 Grad. In den meisten Regionen sind die Pflanzen sehr starken, sturmartigen Winden ausgesetzt. Zum Schluss fehlt aber noch die Auflösung der Bestäuber dies Pflanzen: Es sind die Männchen einer sehr kleinen Mückenart, etwa 3 - 4 mm groß. Scheinbar hat jede Lepanthes-Art eine eigene spezialisierte Mückenart für die Bestäubung. Das fazinierende an dem Akt ist, das die Blütenform der Lepanthes das Weibchen dieser Mücken so perfekt nachbildet, dass das Männchen auf der Blüte den Geschlechtsakt vollzieht. Dies ist in den Orchideenarten Amerikas einmalig, es gibt Arten anderer Gattungen z.B. Teliopogon H.B.K., die ebenfalls männliche Mücken anlocken, diese verweilen dann auch einige Zeit iritiert auf der Blüte, das Weibchen suchend, fliegen dann aber unverrichteter Dinge wieder ab (natürlich befindet sich nun der Pollen an der Mücke)
 




 
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