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 Ein Bericht von Walter Schug
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Reise zum höchsten Berg Costa Ricas |
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Orchideenfunde beim Aufstieg |
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Die Landschaft |
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Auf der Suche nach Pachyphyllum crystallinum oder Reise zum höchsten Punkt Costa Ricas
Heute möchte ich ihnen von einer Reise zu dem höchsten Berg Costa Ricas, dem Cerro Chirripó, erzählen. Schon vor einiger Zeit planten meine Familie und ich eine Reise zum Cerro Chirripó, ein Reiseziel, fast ein MUSS für alle Costaricaner. Durch einige Zufälle sollten wir diese Reise viel früher antreten, als ursprünglich gedacht. Das erinnerte mich an den schon seit langem gehegten Wunsch, einmal ein Pachyphyllum crystallinum am Standort zu sehen, eine recht seltene Orchidee, wohl die Art mit dem am höchsten liegenden Habitat aller Orchideen, die man in Costa Rica finden kann. Die bekannten Fundorte liegen zwischen 3.000 und 3.300 m, also in einer Höhe, in die man nicht alle Tage kommt. Es gibt auch einzelne Fundorte aus tieferen Lagen, aber die eigentliche Heimat sind die höchsten Berge des Landes. Aus Ecuador wurden Funde aus bis zu 4.180m gemeldet. Bedingt durch das rauhe Klima dieser Gebiete findet man die Pflanze auch sogut wie nie in Sammlungen, mir zumindestens ist keine einzige Pflanze hier in Kultur bekannt.
Das Ziel liegt im Süden des Landes, nahe der Stadt San Isidro del General (siehe Karte). Mit 3.820m ist er die höchste Erhebung des Landes. Die Erkundung dieses Gebietes begann sehr spät, es war 'heiliges Land' der Ureinwohner Costa Ricas. Erst 1904 begann eine erste, professionelle Expedition zur Erkundung der Umgebung des Berges. Das Gebiet um den Berg wurde 1975 zum Nationalpark erklärt und ist somit streng geschützt. Daher kann man dieses beliebte Ausflugziel auch nicht mit dem Auto erreichen, sondern man muss zu Fuss auf den Berg!! Die Ausdehnung des Parks beträgt nach einer Vergrösserung in 1982 jetzt 50.150 ha.
Die Anreise für uns führt über die Panamerikana (in Costa Rica 'Interamerikana' genannt) nach Süden, durch die Gebiergsregion der 'Cordillera de Talamanca', zu der auch der genannte Berg gehört. Vorbei an dem 'Cerro de la Muerte,' dem 'Berg des Todes', 3.491m, kommen wir in das Tal des Generals (Valle del General), wo wir die Interamerikana nach rund 135 Km verlassen und auf etwa 15 km Schotterpiste das Dorf San Gerado erreichen. Von hier aus (auf rund 1.400m) beginnt der Aufstieg zum Gipfel. Man muss alles was man so braucht selber hochtragen, in unserem Fall Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände, Kleidung usw. für vier Tage, alles zusammen rund 10 Kg./Person.
In den tieferen Regionen werden Kühe und Pferde auf Weiden gehalten, auf den Bäumen, die die Weiden umzäunen findet sich Dichaea sp. (Bild 1 + 2), Epidendrum radicans, Sobralia sp. und diverse andere Epidendren. Epidendrum radicans (Bild 3) und die Sobralien wachsen auch auf Steinen.
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 Bild 1: Dichaea sp.
 Bild 2: Dichaea sp.
 Bild 3: Epidendrum radicans
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Auf rund 1.900m beginnt dann der Wald, in dieser Höhe noch tropisch warm, mit z.B. Epidendrum parkinsonianum (Bild 4 + 5). Weiter oben wechselt die Art des Waldes, wir dringen in den Nebelwald vor (Bild 6). Hier findet man die in höheren Lagen verbreiteten Pflanzen wie Oerstedella exasperata (gesehen auf rund 2.475m), die sehr groß werden, diverse Maxillarien und vor allem Pleurothallidinae. Leider ist Ende Januar / Anfang Februar eine Zeit, in der es kaum blühende Pflanzen gibt, ich fand im ganzen Wald nur eine einzelne Pleurothallis-Art blühend auf 2.460 m vor (Bild 7). Etwa in dieser Höhe findet man auch etwas, das viele von ihnen aus der Kultur der Orchideen kennen, das weiße Moos (Spaghnum, Bild 8). Auf rund 3.100m endet der Wald, mit der Abstinenz der Bäume verlässt uns ebenfalls die Vielzahl der Orchideen. Die letzte fand ich eben auf 3.100m, eine Maxillaria, vermutlich Maxillaria adolphii, die von ihrem Baum fiel und nun am Boden liegend schon recht gelb verfärbt war (Bild 9).
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 Bild 8: Spaghnum
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Bild 4: Epidendrum parkinsonianum |
Bild 6: Nebelwald |
Bild 7: Pleurothallis-Art
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Bild 5: Epidendrum parkinsonianum |
Bild 9: vermutlich Maxillaria adolphii
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Der Wald in den höheren Lagen brannte leider sehr häufig, die letzten drei mal 1981, 1985 und 1992. Den Bränden vielen riesige Flächen in den höchsten Lagen zum Opfer, sie dauerten teilweise über einen Monat an. Alle Brände waren durch Menschenhand verursacht, man ging unachtsam mit Feuer in diesem empfindlichen Gebiet um. Die Bäume sehen aus wie Briketts, verkohlt und tot (Bild 10). In der kurzen Zeit von 10 Jahren hat sich der Wald nicht wieder erholt, es gibt nur Sträucher. Damit waren meine Hoffnungen auf den Fund von Pachyphyllum crystallinum fast verflogen. Nach 9 Stunden Fussmarsch erreichten wir am Ende unsere Herberge, die 14 Km und 2.000 Höhenmeter vom Startpunkt entfernt liegt.
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 Bild 10: verbrannter Wald
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Diese Herberge (Bild 11), befindet sich auf 3.400 m, ist unbeheizt und ohne Strom, gekocht wird auf dem Gaskocher, geschlafen im Schlafsack. Die Temperaturen nachts sanken bis auf 5 Grad ab (auch innen), Tagsüber in der Sonne kletterte das Thermometer auf 25 Grad.
Nichts destotrotz ist die Gegend sehr schön, es gibt Seen, sehr viele Vögel, darunter auch Kolibris, die ich bis auf 3.700m beobachen konnte. Wir blieben zwei Tage auf dieser Höhe, ich untersuchte sehr viele Sträucher, fand aber keine einzige Orchidee, Einige Eindrücke vermitteln die Bilder 12 - 13. Der Aufstieg zum Gipfel (Bild 14) führt an einem See auf über 3.700 m vorbei (Bild 15). Dann war der höchste Punkt Costa Ricas erreicht (Bild 16).
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 Bild 11: Herberge
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 Bild 13 |
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 Bild15 |
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Bei klarem Wetter kann man das Karibische Meer und den Pazifischen Ozean von einem Ort aus beobachten. Leider, war das Wetter diesesmal nicht so gut, aber die Aussicht war trotz allem sehr beeindruckend. Am vierten Tag machten wir uns morgens Früh um 5:30 Uhr auf zum Abstieg der fünf Stunden dauerte. Zu dieser frühen Stunde sind sehr viele Vögel unterwegs, sie lassen den Menschen auch sehr nahe an sich heran. Wir traffen auf eine Gruppe bunter Wachteln, Kolibris und viele Arten, die ich nicht einordnen konnte. Es waren wirklich alle Farben vertreten. Auch ein Affe zog über unsere Köpfe hinweg, ein wenig verängstigt vor dem, was da auf dem Boden seinen Baum passierte.
Am Ende blieb ich auch nach dieser Reise ohne einen Fund von Pachyphyllum, die Suche wird aber in Kürze auf einem anderen Berg fortgesetzt werden.
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Bild 12 |
Bild 14: Aufstieg zum Gipfel |
Bild16: Gipfel des Cerro Chirripó
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